Beitrag in den Aachener Nachrichten am 17.09.2020

AACHEN Während der Corona-Pandemie haben viele Menschen den Gang zum Arzt oder ins Krankenhaus gemieden. In manchen Fällen ist das aber gar nicht so einfach, wie unter anderem auch das Team des Praxiszentrums Blondelstraße erlebt hat. Dort werden unter anderem Menschen vorstellig, die an Geschlechtskrankheiten leiden oder befürchten, sich mit HIV angesteckt zu haben.

850 HIV-Infizierte aus der Region Aachen werden im Praxiszentrum Blondelstraße behandelt, in dem unter anderem Dr. Heribert Knechten und Dr. Daniel Beer praktizieren. Die Corona-Pandemie hat auch das Praxisteam vor besondere Herausforderungen gestellt. Denn lange Zeit war nicht klar, ob und inwiefern eine HIV-Erkrankung sich auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung auswirken würde – und ob es eventuell zu Medikamentenengpässen kommen könnte.

„Zum Glück haben wir Fachkollegen ein sehr engmaschiges Netzwerk“, berichtet Heribert Knechten. Das heißt, neue Informationen zum vergleichsweise noch so jungen Coronavirus habe man direkt mit anderen Ärztinnen und Ärzten ausgetauscht.

Gleichwohl seien viele Patienten durch die Pandemie sehr verunsichert gewesen – auch wenn die Räume des Praxiszentrums groß genug sind, um Abstand einzuhalten.

Ja, während des Lockdowns hätten sich tatsächlich weniger Menschen auf Geschlechtskrankheiten testen lassen, erklärt Dr. Daniel Beer vom Praxiszentrum Blondelstraße. Doch aktuell gebe es wieder einen hohen Bedarf an Testungen auf HIV und andere Erkrankungen. „Wir merken daran schon, dass die Menschen wieder mehr Kontakte haben“, sagt Beer.

Mehr Arbeit gibt es auch im Bereich der Prophylaxe: Vor ein paar Jahren hatten das Seminarwerk Aids und die Aidshilfe Aachen ein niedrigschwelliges Angebot in der Trichtergasse eingerichtet. Bei „Test 2 multiply“ können sich Menschen in Aachen anonym und unkompliziert auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen, und zwar in der Regel einmal pro Monat im Querreferat des Allgemeinen Studierenden Ausschusses. Im September hat man jedoch schon einen Zusatztermin ausmachen müssen, weil der Bedarf so hoch ist. „Weil das Gesundheitsamt sich aktuell voll auf den Umgang mit Corona konzentrieren muss, nehmen deutlich mehr Menschen unser Testangebot wahr, die sonst vielleicht beim Gesundheitsamt einen Test gemacht hätten. Das funktioniert im Moment, wo es noch einigermaßen warm ist und trocken, ganz gut“, sagt Daniel Beer, „das geht im Winter vielleicht nicht mehr so gut. Langfristig brauchen wir da jedoch eine Lösung.“  (slg)

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